"Zukunft der Pflege in die eigenen Hände zu nehmen"

06. Mär 2020

Festakt "100 Jahre Krankenpflegeschule Singen" spannte weiten Bogen von gestern über heute zu morgen

Geburtstagfest mit vielen Gästen: Schlussbild mit allen Rednern und Akteuren des Festaktes. Bild: Jagode

(Singen). Unter dem Motto "100 Jahre Krankenpflegeschule Singen gestern - heute - morgen" hatte das Geburtstagskind am 4. März zum Festakt in den Bürgersaal Singen eingeladen. Der Termin passte gut, denn auf den Tag genau vor 100 Jahren hatte der damalige Singener Gemeinderat auf Antrag der "Provinzoberin der Kreuzschwestern von Hegne" den Beschluss zur Einrichtung einer staatlichen Krankenpflegeschule Singen gefasst. Besondere Gäste und Redner des Abends waren die Grande Dame der Pflegeausbildung Schwester Juliane Juchli von den Ingenbohler Kreuzschwestern aus der Schweiz, und Staatsekretär Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, der eigens aus Berlin angereist kam. Die Moderation des Abend oblag übrigens Pepper, einem drolliger Pflegeroboter, der bereits in Altenheimen im Einsatz ist und auch einen Teil der Pflege von morgen darstellt.

Die Schule und die Pflegeausbildung in Singen und im Allgemeinen wurde in dem mit rund 150 Gästen gut besuchten Festakt rund zwei Stunden lang in allen Facetten und in verschiedensten Beiträgen gewürdigt und beleuchtet. Sozialdezernent Stefan Basel als Vertreter des Landrats wies in seinem Grußwort auf die Unterstützung des Landkreises hin - sowohl für den Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz, dessen Träger mit 52 Prozent der Kreis ist, als auch hinsichtlich der Pflegeausbildung. Ein "guter und wichtiger Schritt" sei der jüngst unterzeichnete Verbundvertrag, an dem die drei Pflegeschulen im Landkreis und alle Ausbildungsträger beteiligt sind. Auch die eigens eingerichtete Koordinierungsstelle im Landkreis Konstanz und die seit 2019 existierende kommunale Pflegekonferenz sollen angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege dazu dienen, dass "kein Ausbildungsplatz verloren gehe". Basel bescheinigte der Akademie als größter Ausbildungsträger für Pflegeberufe im Landkreis "Weitsicht und einen Blick über die vier eigenen Wände". Er sagt dem GLKN und der Pflegeschule die Unterstützung des Kreistags zu.

Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler ließ die Geschichte der Krankenpflegeschule Revue passieren, denn das einst städtische Krankenhaus und seine Krankenpflegeschule sind eng mit der Geschichte der Stadt Singen verbunden. Die Entwicklung der Stadt bedingte den Bau eines ersten Krankenhauses, dann den Bau des heutigen Hauses am Fuße des Hohentwiels und dessen weitere Entwicklung bis zum heutigen Tag. Häusler freute sich besonders, dass eine große Abordnung der Hegne-Schwestern, die einst den Anstoß zur Gründung der Krankenpflegeschule gegeben hatten und diese bis 1985 leiteten, dem Festakt beiwohnten. Er wünschte der Schule zum Geburtstag, dass auch in Zukunft viele junge Menschen diesen Beruf lernen wollen" und versprach, dass der Schulneubau und damit das Schaffen guter Arbeitsbedingungen beim Masterplan Bau eine hohe Priorität genieße.

Bernd Sieber, Vorsitzender der Geschäftsführung, hörte vor allem dieses gerne und versprach bei diesem Thema am Ball zu bleiben. In der Wahrnehmung des Pflegeberufs stellte er einen "vollkommenen Wandel" fest. Während früher die Pflegekräfte vor allem unter ökonomischen Gesichtspunkten gesehen wurden, sei heute klar: Gute Pflege sei nur mit ausreichend Pflegekräften zu sichern. Der GLKN mit seinen 3600 Beschäftigten und 240 Ausbildungsplätzen in der Pflege und seinem breiten Portfolio sei ein interessanter und verlässlicher Arbeitgeber. Das Thema Vereinbarung Beruf und Familie werde immer wichtiger und diesem Thema wolle man sich stellen. Der Pflegeberuf sei ein unglaublich vielseitiger Beruf mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten, so Sieber und: Pflege sei auch ein erfüllender Beruf, all das gelte es nach außen zu tragen.

Akademieleiterin Dr. Bettina Schiffer hatte errechnet, dass im Laufe ihres Bestehens rund 2000 Pflegende ihren Abschluss an der Krankenpflegeschule Singen gemacht hatten. Sie dankte den Hegner-Schwestern, die früh die Notwendigkeit gesehen hatten, eine Pflegeschule einzurichten. Gegenüber den gebotenen Veränderungen hatten sich die Hegner Schwestern stets offen gezeigt und die Professionalisierung in der Pflege unterstützt. Voraussetzung für die positive Entwicklung sei die Wahrnehmung der Bedarfe der Einrichtung und der Unterstützung des Aufbaus von Strukturen auf allen Ebenen. Dies gelte gleichermaßen gestern wie heute. So wünschte sich Schiffer die Unterstützung bei den Herausforderungen, vor denen Schule in den aktuellen 20er Jahren steht. Sie Versprach: Das Team der Schule stehe bereit, um neue Wege zu beschreiten.

Um neue Wege in der Pflegeausbildung ging es auch im Vortrag von Schwester Juliane Juchli, die die Festgäste auf eine interessante Spurensuche quer durch die Geschichte der Krankenpflegeausbildung nahm. Juchli hat die Entwicklung, Professionalisierung und Lehre der Pflege im gesamten deutschen Sprachraum in den letzten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durch das von ihr begründete Pflege-Lehrbuch (im Jargon „der Juchli“ genannt) tiefgreifend und nachhaltig beeinflusst. Begonnen hatte alles damit, dass der Mangel an theoretischem Wissen durch ein eigenes Tagebuch ersetzt wurde, in dem sie das eigene erworbene Wissen getreu dem Motto "Beobachten, Befragen und Beschreiben" festhielt. Daraus entstand im Laufe der Zeit ein Sammelwerk, das später zum Ausbildungsbestseller wurde.

Der Pflegeberuf sei stets einem Wandel unterworfen gewesen und dennoch seien die Fragen und Forderungen, die heute laut würden nur ein "alte Fragen im neuen Kleid". Juchli erinnerte daran, was die Pflege ausmache, sie appellierte "wir brauchen eine starke Pflege" und forderte alle auf, die "Zukunft der Pflege in die eigenen Hände zu nehmen". Sie warnte vor der rein wirtschaftlichen Betrachtung und lud alle ein, sich durch gute (Aus)Bildung die Energie, Freude und Begeisterung für den Beruf zu bewahren. Warmen, langanhaltenden Applaus gab es für die sympathische Grande Dame der Pflegeausbildung, die auch im hohen Alter eine starke Präsenz besitzt.

Den Fragen von Moderatorin Waltraud Reichle stellte sich Staatsekretär Andreas Westerfellhaus, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege. Westerfellhaus weiß wovon er spricht; seine Laufbahn begann er als examinierter Krankenpfleger, die berufliche Weiterentwicklung führte über die jahrelange Leitung einer Pflegeakademie und der langjährigen Tätigkeit als Vize-Präsident und Präsident des Pflegerats in einen verantwortungsvollen Posten in der heutigen Bundesregierung. Er machte deutlich: Der Pflegeberuf sei attraktiv und vielfältig, dies gelte es sichtbar zu machen. Er bemängelte die fehlende Berufsautonomie. Pflegefachkräfte erhalten eine anspruchsvolle Ausbildung, dürften danach aber wenig eigenverantwortlich tun. Er forderte mehr Kompetenz für die Pflege und mehr Vernetzung der Gesundheitsfachberufe. Das und bessere Rahmenbedingungen ist nach Westerfellhaus Meinung wichtiger als die Bezahlung. Er wünschte sich eine starke und selbstbewusste Pflege, die ihre eigenen Interessen in Pflegekammern vertritt.

Die abschließende Gesprächsrunde beleuchtete unter der Moderation von Waltraud Reichle verschiedene Aspekte des Pflegeberufs und der Ausbildung getreu dem Motto der Festveranstaltung "gestern - heute - morgen". Dabei wurden auch kritische Aspekte wie Arbeitszeit, Vereinbarung von Familie und Beruf oder Arbeitsverdichtung angesprochen.

Den Fragen der Moderatorin stellten sich neben Andreas Westerfellhaus, Dr. Bettina Schiffer und Pepper auch Schwester Benedicta aus Hegne, Laura Haase, stellvertretende Schulleiterin am Standort Singen, Intensivpflegerin Jasmin Schreiber und Auszubildende Nadine Ondera. Die Gesprächsrunde machte deutlich, dass es an der Zeit war, Pflege einmal ganz in den Mittelpunkt einer Veranstaltung zu stellen. Das Thema Pflege ist endlich in der Politik und Öffentlichkeit angekommen.

Neue Besucherregelung ab 18. Mai 2020

Liebe Besucher, liebe Angehörige,

auf der Grundlage eines Beschlusses des Sozialministeriums Baden-Württemberg gilt
ab Montag, 18. Mai 2020, in den Akutkliniken des GLKN eine neue Besucherregelung.

Diese besagt: Pro Tag ist pro Patient nur ein Besucher gestattet. Besucher melden sich bitte zuerst an den zentralen Infoschaltern bzw. am Empfang an. Im Einzelfall sind Ausnahmen möglich, klären Sie diese im Vorfeld telefonisch unter den zentralen Krankenhausnummern ab.

Menschen, die in den letzten vier Wochen an COVID-19 erkrankt waren oder bei denen ein unwiderlegter Verdacht auf eine Erkrankung besteht, sind zum Schutz der Patienten und des Personals von einem Besuch ausgeschlossen. Bitte dringend beachten!

Wenn Sie einen Termin zu einer ambulanten Untersuchung oder in einer Sprechstunde haben, wenden Sie sich bitte ebenfalls zuerst an die Infoschalter.

Die Einhaltung der Abstandsregel und der Maskenpflicht gilt auch im Krankenhaus.
Bitte desinfizieren Sie beim Betreten der Klinik ihre Hände.

Wir bitten um Ihr Verständnis. Vielen Dank!

Besucherselbstauskunft zu SARS-CoV-2 und Verpflichtungserklärung
(Bitte vor dem Besuch ausfüllen und mitbringen) 

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