Stehende Ovationen zum Abschied von Dr. Wolfgang Rammensee

22. Dez 2015

Nach rund 25 Jahren am Radolfzeller Krankenhaus geht der beliebte Anästhesist in Ruhestand

Dr. Wolfgang Rammensee nebst Gattin: Bild: aj
Dr. Wolfgang Rammensee nebst Gattin: Bild: aj

(Radolfzell). Es war eine sehr persönliche Feier geprägt von Wertschätzung, Respekt, Freundschaft und aufrichtigem Dank: Die Verabschiedung von Chefarzt Dr. Wolfgang Rammensee am 17. Dezember fand im großen Kreis von Kollegen, Weggefährten und Mitarbeitern im Seminarraum des Radolfzeller Krankenhauses statt. Viele waren gekommen, um sich von dem beliebten Chefarzt der Anästhesie persönlich zu verabschieden – sie taten das mit viel Humor, viel Gereimten, viel Musik und vielen Geschenken.

Unisono wurde nicht nur Rammensees legendäre Schnelligkeit beim Narkotisieren seiner Patienten hervorgehoben, seine fachliche Kompetenz und seine charakterlichen Qualitäten, sondern auch seine Vielseitigkeit bei seinen privaten Hobbys – angefangen von der Bewirtschaftung des eigenen Waldes über das Ballonfahren bis hin zu seinen Kanutouren, Reisen durch die ganze Welt, der Teilnahme an Skimarathons und dem Backen legendärer Schwarzwälder Kirschtorten. Hobbys, an denen der agile Chefarzt seine Kollegen gerne teilhaben ließ und die seine Bandbreite beweisen.

Wie wertgeschätzt Rammensee nicht nur in Radolfzell, sondern auch an seinen früheren Wirkstätten war, zeigte die Anwesenheit ehemaliger Weggefährten aus seiner Zeit am Stühlinger und am Singener Krankenhaus – als beide Häuser noch nicht Teil des Gesundheitsverbunds waren. Viele ergriffen das Wort, um sich persönlich und humorvoll vom scheidenden Chefarzt zu verabschieden. Sie lobten dabei seine Kollegialität, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Ausgeglichenheit und Ruhe, seine menschliche und fachliche Kompetenz, seinen Fleiß, Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit bis zum Schluss.

Prof. Frank Hinder, Ärztlicher Direktor des Hegau-Bodensee-Klinikums, dankte Rammensee im Namen der Geschäftsführung und ließ den Werdegang von Wolfgang Rammensee Revue passieren. Geboren im August 1950 in Tübingen, zur Schule gegangen in Rottenburg, absolvierte Rammensee nach dem Studium der Physik anschließend in Tübingen auch sein Studium der Medizin. Die Approbation erfolgte 1980; 1981 kam er zur Weiterbildung an das damals städtische Krankenhaus in Singen, 1985 machte er seinen Facharzt für Anästhesiologie. Nach einer Babypause ging er für fünf Jahre an das Stühlinger Loreto-Krankenhaus, damals noch im Besitz des Landkreises Waldshut und wirkte dort unter Chefarzt Dr. Manfred Vanselow.

Im April 1991 kam Dr. Rammensee ins Radolfzeller Krankenhaus – wo er zum Glück für Radolfzell bis zum Schluss blieb. Er war dort zunächst Facharzt für Anästhesie, seit Januar 2000 ist er Chefarzt im Kollegialsystem und wurde im gleichen Jahr zum Transfusionsbeauftragten ernannt. Mit seinen Jahren in Stühlingen und in Singen war Rammensee insgesamt 34 Jahre im heutigen Gesundheitsverbund tätig. Zum 31. Dezember geht der geschätzte Chefarzt in Ruhestand. Dass dieser ein Unruhestand wird zeigt neben den vielen Hobbies zu Wasser, Luft und Land auch die Tatsache, dass sich der scheidende Chefarzt um eine Gruppe von Flüchtlingen kümmert.

Dr. Sebastian Jung, Chefarzt der Inneren Medizin im Krankenhaus Radolfzell und stellvertretender Ärztlicher Direktor des HBK, hob die zentrale Bedeutung der Anästhesie für alle anderen medizinischen Fachbereiche hervor. Rammensee, genannt „Ramses“, sei ein Teamplayer gewesen, so Jung, ein „guter Arzt“, der immer das Wohl des Patienten im Auge gehabt habe, und sowohl fachlich als auch menschlich kompetent sei.

Dr. Alexander Thoma, Rammensees Kollege im Chefarztkollegialsystem, der die Feier moderierte, erinnerte sich gerne an die gemeinsame Zeit. Rammensee sei auch in den stürmischen 90er Jahren stets der „ruhende Pol der Abteilung“ gewesen. Bei 12400 Tage Berufsleben habe Rammensee über 30 Prozent Bereitschaftsdient absolviert – ein Spitzenwert. „Zügiges Arbeiten ist Dein zweiter Vorname“ attestierte Thoma seinem scheidenden Kollegen, der zugleich Rammensees „hohe Belastbarkeit bis zum Schluss lobte“.

Einen unterhaltsamen Streifzug durch die Radolfzeller Jahre von Wolfgang Rammensee sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht zeigten Thoma und seinen Chefarztkollege Dr. Thomas Hafner in Bild und Ton. Einen umjubelten Auftritt legten die Schwestern der OP-Pflege und der Anästhesiepflege aufs Parkett, für musikalische Höhepunkte sorgten die Darbietungen von Rammensees Chefarztkollegen der Anästhesie, Dr. Dorothea Fischer, Dr. Alexander Thoma und Dr. Thomas Hafner mit dem Musiker Siegfried Schmidgall am Keyboard. Ihr Abschiedslied sorgte für stehende Ovationen für den scheidenden Chefarzt.

Der hatte selbst auch eine Rede vorbereitet und resümierte „meine Spezialität ist der Endspurt“. Er ließ seinen beruflichen Werdegang Revue passieren, der ihn nach Radolfzell führte wo er sich beruflich wie menschlich sehr wohl gefühlt habe, so Rammensee, der sich über seine Abschiedsfeier sichtlich freute und „überwältigt“ zeigte.

Kollegiale Abschiedsgrüße kamen auch von Dr. Wolff Voltmer, Chefarzt der Radolfzeller Unfallchirurgie, der in Rammensee ein „Vorbild für die nachwachsende Generation an Medizinern“ sieht. Belegarzt Dr. Matthias Groß dankte im Namen seiner Kollegen der gynäkologischen Gemeinschaftspraxis am Krankenhaus Radolfzell. In wohl gereimten Worten berichtete er über amüsante Episoden aus Rammensees umtriebigen Leben und konstatierte: „Wolfgang, Du bist für mich ein Held“. Ehrliche Worte der Wertschätzung kamen von den einstigen Kollegen aus Stühlingen und Singen, Dr. Manfred Vanselow und Dr. Sylvia Spandau, sie lobten Rammensee als „Meister der Liebenswürdigkeit und Versöhnung“. Auch wenn allen Anwesenden der Abschied deutlich schwer fiel, so waren sie sich sicher: „Wir verlieren einen Kollegen, behalten aber einen Freund“, so Thoma am Ende der rund zweieinhalb stündigen offiziellen Feier.

Übrigens: Wenn Dr. Rammensee zum Jahresende in den Ruhestand geht, übernimmt seinen Anteil an der Anästhesie in Radolfzell das Anästhesie-Team des Singener Chefarztes Prof. Frank Hinder.

Besucherregelung verschärft: Zutritt nur mit FFP2-Maske und negativem Antigentest

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